ChatGPT führt Werbung ein: Wie sieht das konkret aus?

ChatGPT startet Werbung in Free- und Go-Tarifen. Lies nach, was sich ändert, wie deine Daten behandelt werden und welche Optionen du hast.
Eine Frau chattet mit ChatGPT. Im Chatfenster wird ein gesponsortes Produkt angezeigt.

OpenAI erschließt eine neue Einkommensquelle: In den kommenden Wochen soll Werbung in ChatGPT starten. Zunächst testweise für erwachsene Nutzer in den USA auf dem Free- und dem neuen ChatGPT Go-Tarif. Parallel wird ChatGPT Go weltweit ausgerollt.

Was ändert sich konkret, wie schützt OpenAI deine Daten, und was bedeutet das für Unternehmen und Werbetreibende?

Was hat OpenAI angekündigt?

OpenAI spricht in seiner neusten Ankündigung drei Themen an:

  • ChatGPT Go wird weltweit verfügbar: Ein günstiger Abo-Plan mit mehr Nachrichten, Datei-Uploads, Bildgenerierung und Speicher, in den USA für 8 US-Dollar pro Monat.
  • Werbung wird getestet: In den kommenden Wochen startet ein Test mit Anzeigen für eingeloggte Erwachsene auf den Tarifen Free und ChatGPT Go in den USA.
  • Premium bleibt werbefrei: Plus, Pro, Business und Enterprise (sowie Edu) sollen keine Werbung enthalten.

Der Kern der Argumentation: Werbung soll helfen, ChatGPT langfristig kostenlos bzw. günstig anzubieten, ohne die Nutzung zu stark zu begrenzen. Gleichzeitig betont OpenAI, dass Vertrauen und Nutzen der Antworten Vorrang vor Werbeeinnahmen haben.

Wie sieht Werbung in ChatGPT aus?

Die Anzeigen sollen laut OpenAI klar von den normalen Antworten getrennt und als gesponsert markiert werden.

  • Platzierung: Anzeigen erscheinen am Ende einer Antwort in einem separaten Block.
  • Kontextbezogene Werbung: Die Anzeige bezieht sich auf das aktuelle Gespräch, zum Beispiel ein Produktvorschlag nach einer Rezeptsuche oder Reisetipps nach einer Reiseanfrage.
  • Transparenz: Du kannst sehen, warum dir eine Anzeige ausgespielt wird, Feedback geben oder sie ausblenden.
  • Inhaltliche Trennung: Anzeigen sollen die eigentliche Antwort von ChatGPT nicht beeinflussen; Antworten werden weiterhin auf Nützlichkeit optimiert.
Screenshot der OpenAI Website mit Beispiel für ChatGPT Werbung
Quelle: https://openai.com/de-DE/index/our-approach-to-advertising-and-expanding-access/

Sensible Bereiche werden ausdrücklich ausgenommen: Rund um Themen wie körperliche oder psychische Gesundheit und Politik sollen keine Anzeigen eingeblendet werden. Minderjährige (oder Accounts, bei denen OpenAI ein Alter unter 18 vermutet) nehmen nicht am Test teil.

Datenschutz, Personalisierung und Kontrolle

Für viele ist die spannendste Frage: Was passiert mit meinen Daten?

Laut OpenAI gelten für Werbung in ChatGPT diese Grundsätze:

  • Keine Weitergabe von Gesprächen: Werbetreibende erhalten keinen Zugriff auf deine Chat-Verläufe.
  • Keine Datenverkäufe: OpenAI betont, dass deine Daten nicht an Werbekunden verkauft werden.
  • Begrenzte Personalisierung: Anzeigen können auf Basis deines Kontos und deiner Nutzung angepasst werden, du kannst Personalisierung aber abschalten.
  • Kontrolle für Nutzer: Du sollst Daten, die für Anzeigen genutzt werden, einsehen und löschen können.
  • Nur aggregierte Auswertungen: Werbekunden sehen laut OpenAI nur zusammengefasste Leistungsdaten, keine individuellen Profile.

Für dich heißt das: Es wird zwar personengezielte Werbung geben, aber auf Basis begrenzter Signale und mit Opt-out. Wie gut das in der Praxis umgesetzt ist, wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen.

Warum geht OpenAI diesen Schritt?

ChatGPT hat hunderte Millionen Nutzer pro Woche, die meisten davon im kostenlosen Tarif. Gleichzeitig investiert OpenAI Milliarden in Modelle, Rechenzentren und eigene Chips, es kursieren Schätzungen von Infrastrukturkosten bis hin zu einer Billion US-Dollar bis 2030.

Bisher kamen Einnahmen vor allem aus:

  • Abos wie ChatGPT PlusChatGPT Pro und jetzt ChatGPT Go
  • Enterprise-Verträgen mit Unternehmen
  • API-Nutzung für Entwickler

Mit Werbung entsteht ein zusätzlicher Umsatzkanal, der speziell auf die große Free-User-Basis zielt. OpenAI argumentiert, dass dies helfe, die Nutzung für viele Menschen überhaupt erst zu ermöglichen oder Limits zu senken.

Neue Chance für Marken: Conversational Ads

Für Unternehmen und Marketing-Teams ergibt sich aus der ChatGPT Werbung ein neues Spielfeld:

  • Hohe Intent-Signale: Nutzer stellen konkrete Fragen zu Reisen, Produkten, Verträgen oder Weiterbildung. Anzeigen können direkt in diesen Momenten erscheinen.
  • Dialog statt Banner: In Zukunft könnten Anzeigen interaktiv sein, sodass du Rückfragen stellen kannst, bevor du kaufst oder dich anmeldest.
  • Discovery-Kanal: Gerade kleinere Marken können von gut platzierten Produktempfehlungen profitieren, die in passende Konversationen eingebettet sind.

Gleichzeitig gibt es aber auch Herausforderungen: Wenn Anzeigen zu aufdringlich werden oder die Grenze zwischen Antwort und Werbung verschwimmt, wird das Vertrauen in Chatbots leiden und Nutzer zu Alternativen treiben.

Was bedeutet das für dich als Nutzer in Deutschland?

Aktuell ist der Ads-Test auf die USA beschränkt. Aber klar ist: Wenn das Modell dort funktioniert, ist eine Ausweitung auf weitere Märkte nur eine Frage der Zeit.

Kurz zusammengefasst:

  • Du nutzt ChatGPT Free oder Go in den USA: In den nächsten Wochen kannst du erste Anzeigen sehen.
  • Du hast Plus, Pro, Business oder Enterprise: Dein Chat bleibt laut OpenAI werbefrei.
  • Du sitzt in Deutschland oder der EU: Es ändert sich vorerst nichts.
  • Du willst keine personalisierte Werbung: Du solltest die neuen Privacy- und Ad-Einstellungen prüfen, sobald sie sichtbar werden, und Personalisierung abschalten.

Fazit: Balanceakt zwischen Zugang und Vertrauen

OpenAI versucht, zwei Ziele zu verbinden: KI für möglichst viele Menschen erschwinglich machen und gleichzeitig das Vertrauen in ChatGPT schützen. Ob die Umsetzung überzeugt, hängt im Alltag von Details ab:

  • Wie klar ist der Unterschied zwischen Antwort und Anzeige?
  • Wie gut funktionieren die Opt-out-Optionen für Personalisierung?
  • Wie streng werden sensible Themen wirklich abgeschirmt?

Für dich als Nutzer heißt das: Achte auf Kennzeichnungen wie „Gesponsert“, probiere die neuen Einstellungen aus und beobachte, ob sich das Nutzungserlebnis für dich verändert. Für Unternehmen und Marken könnte Werbung in ChatGPT zu einem spannenden neuen Kanal werden.

 

Quellen:

Fidji Simo, 16.01.2026: Unser Ansatz für Werbung und die Erweiterung des Zugangs zu ChatGP, abgerufen am 19.01.2026 von: https://openai.com/de-DE/index/our-approach-to-advertising-and-expanding-access/

Alisa Said
Hi, ich bin Alisa. Meinen ersten Blog habe ich vor 15 Jahren gestartet und seitdem hat mich das Schreiben auf meinem Weg begleitet. Neben meinem eigenen Beratungsunternehmen habe ich 2023 mit meinem Partner Aleksej Siebenhaar das Projekt AI Compact ins Leben gerufen. Künstliche Intelligenz bringt eine große Veränderung für uns alle mit sich. Daher haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, Nutzer der KI mit wichtigen Infos und hilfreichen Tipps rund um das Thema zu versorgen. Für einen verantwortungsvollen, effizienten und rechtssicheren Umgang mit KI und digitale Sicherheit.